stulife – Gleiches soll gleich behandelt werden!

Eine Woche vor den ÖH-Wahlen meldet sich die neugegründete Fraktion stulife auch mal zu Wort. Nachdem sie in den letzten Tagen einige Anschuldigungen über sich ergehen lassen musste, herrscht jetzt Aufklärungsbedarf. Die beiden Spitzenkandidatinnen Azize Selikoglu und Büsra Asil erzählen, welche Interessen stulife vertritt und warum sie sich dafür einsetzen.

Azize Selikoglu (22) kandidiert als Spitzenkandidatin auf Platz 1 der Liste; gemeinsam mit Büsra Asil (22), welche auf Platz 2 liegt, und etwa 10 weiteren Personen hat sie die Studenteninitiative Anfang des Jahres 2015 gegründet. Grund dafür war eine Lücke, die von allen anderen Fraktionen bisher übersehen wurde. Denn niemand setzt sich für die Interessen aller Studierenden gleichermaßen ein, sondern immer nur für eine bestimmte Gruppe. stulife möchte dem entgegenwirken: „Wir sehen uns selber als eine Fraktion, die wirklich alle Studierenden vertritt oder vertreten möchte.“

Spitzenkandidatinnen stulife (Foto: Faltner

Spitzenkandidatinnen stulife (Foto: Faltner)

Beide Kandidatinnen studieren Wirtschaftsrecht an der WU Wien, Azize befindet sich im Bachelorstudium, Büsra studiert bereits im Master. Azize hat sich schon immer für Politik interessiert jedoch gab es auf der Universität bisher keine Institution, die ihre Werte und Interessen geteilt hat. Auch Büsra beschäftigt sich schon länger damit, grundlegend etwas zu verändern, denn zu Beginn ihres Studiums hatte sie mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Umstieg vom Gymnasium auf die Universität, die Eingangsphase, die ÖH, über nichts davon wurde sie ausreichend informiert. Aus diesem Grund hat sie sich das Ziel gesetzt, andere Leute genau dabei zu unterstützen und zu informieren. Sie möchte zukünftige Studierende vor den Problemen bewahren, welche sie überwinden musste. Auch Azize möchte prinzipiell das Leben der StudentInnen erleichtern:

Azize Selikoglu (Foto: Faltner)

Azize Selikoglu (Foto: Faltner)

„Ich bin einfach eine Person, die sich gerne für meine eigenen Interessen und die Interessen anderer einsetzt. Und ich hab mir gedacht, warum nicht auf der Bundesebene.“ – Azize Selikoglu

Trotz der aufwändigen Arbeit in der Fraktion versuchen Azize und Büsra ihr Studium nicht zu vernachlässigen und schreiben ebenso viele Prüfungen wie vor dem Wahlkampf. Azize meint dazu, dass es zwar stressig sei im Moment, jedoch mit einer strukturierten Zeiteinteilung einwandfrei funktionieren kann. Die Tätigkeit bei stulife ist für die beiden Spitzenkandidatinnen mehr Hobby als Arbeit, genügend Motivation ist vorhanden, daher opfern sie gern ihre Freizeit dafür auf.

„Also wir haben wirklich Leute im Team, die sich einsetzen, die immer aktiv sind. Und das ist wirklich ein Punkt wo ich sagen muss, TOLL!“ – Azize Selikoglu

Beruflich könnten sich die beiden Frauen eine Tätigkeit in der Politik gut vorstellen. Büsra meint, dass Wirtschaftsrecht stark mit der Politik verbunden ist, sie möchte die Bereiche Wirtschaft, Jus und Politik gerne verbinden. Jedoch hegt sie ein besonderes Interesse für die juristischen Angelegenheiten, um welche sie sich auch in der Fraktion stulife kümmert. Azize könnte sich eine Arbeit in der Politik auch vorstellen, aber möchte dazu noch nicht allzu viel sagen. Sicher ist, dass sie später auch was für das Allgemeinwohl machen möchte, denn das ist auch ihre Motivation für das Studium.

stulife fordert für die ÖH-Wahl nächste Woche leistbares Studieren, multikulturelle Diversität, geförderte Deutschkurse und eine Krankenversicherung für alle Studierenden. Die Krankenversicherung ist Büsra Asil ein besonderes Anliegen, sie meint, das wäre wohl das Mindeste. Azize Selikoglu liegt die Einführung eines Studententickets zu fairen Preisen sehr am Herzen. Denn auch sie pendelt täglich von Wiener Neustadt zur Universität ist damit mit den Problemen der zahlreichen Pendler vertraut.

Büsra Asil (Foto: Faltner)

Büsra Asil (Foto: Faltner)

„Wir versprechen wirklich nur das, was wir auch einhalten können. Also der Student sollte schon auch mit anderen gleichgestellt sein. Es ist halt, gleiches soll gleich behandelt werden.“ – Büsra Asil

Wie sieht es bei stulife eigentlich mit der Finanzierung aus? Azize erklärt, dass sie hauptsächlich von Spenden von Privatpersonen leben. Aber das reicht vollkommen, da sie ja keine großen Ausgaben haben. Büsra ergänzt, dass sie auch von Kleinunternehmen, bspw. von Familien der Fraktionsmitglieder Unterstützung erhalten. Diese nutzen sie für Wahlwerbung; als Goodies werden von stulife Kugelschreiber und Blöcke verteilt.

Ebenso unterstützt wird die Studenteninitiative von der Union Europäisch Türkischer Demokraten (UETD), welche großteils für die Onlinewerbung von stulife zuständig ist. „Es ist keine finanzielle Unterstützung, falls man das jetzt anspielt. Das nicht“, äußert sich Azize Selikoglu. Sie wurde bei der ÖH-Elefantenrunde am 12.5. mehrmals beschuldigt, der türkischen Partei AKP von Präsident Erdogan nahe zu sein. Dies wurde von stulife mehrfach verneint, genauso wurde auch in unserem Interview betont, dass die UETD nur eine von mehreren unterstützenden Institutionen ist und auch keine politische Nähe zur AKP vorhanden ist. Die interkulturelle Fraktion ist eine reine Interessenvertretung Studierender, welche sich auch mit deren Problemstellungen beschäftigt.

Goodies (Foto: Faltner)Eine Koalition kann sich stulife mit allen Fraktionen vorstellen, mit denen sie sich anhand ihrer Ansichten und Interessen identifizieren können. Ausschließen können sie dabei auf jeden Fall den Ring Freiheitlicher Studenten (RFS).

Für die bevorstehende Wahl erhoffen sich stulife zumindest 2 Mandate, dass alle 6 Personen ihrer Liste es in die Exekutive schaffen erscheint ihnen unrealistisch. Sollte die interkulturelle Fraktion kein Mandat erzielen, möchte sie im September trotzdem ein sehr wichtiges Projekt verwirklichen, das Study-Buddy-Programm. Dieses soll dazu dienen, Studierenden vor allem die Eingangsphase zu erleichtern und auch während des ganzen Studiums eine Stütze sein. Durch ständigen Kontakt mit anderen, soll das Erlernen der deutschen Sprache für ausländische StudentInnen erleichtert werden. stulife hat auf jeden Fall einiges geplant für die Zukunft.

 

Text: Anna Faltner

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