Doch nicht alles paletti? Kritische Stimmen zum bisherigen Wahlkampf

Nächste Woche stehen die ÖH-Wahlen an und der Wahlkampf ist in vollem Gang. Bisher sind allerdings die antretenden Fraktionen weitaus mehr zu Wort gekommen als diejenigen an die sie sich richten wollen – die Wähler und Wählerinnen, also die Studierenden selbst. Das ist natürlich absolut nachvollziehbar, nur haben wir uns gefragt was inmitten von Wahlgoodies, hochgesteckten Zielen und bunten Plakaten eigentlich die StudentInnen zu sagen haben. 

Gesprochen haben wir mit Connie, 21, Bachelorstudium Publizistik, Masterstudium Anglistik Uni Wien und Vinzent, 22, Masterstudium Meteorologie Uni Wien

 

Zuallererst – wirst du überhaupt wählen gehen? Falls nein, wieso?

Connie: Ich bin mir noch nicht sicher, aber eigentlich momentan eher nicht. Ich ärger mich ein bisschen über die Parteien und über die Art und Weise wie man informiert wird. Weil’s einfach unglaublich viele Parteien gibt, die natürlich alle links sind, was zwar schon prinzipiell meiner Ideologie entspricht, aber jede Partei wirbt mit irgendwelchen völlig bescheuerten Wahlzuckerln, die überhaupt nicht realisierbar sind und dann soll man einfach eine von diesen hunderttausend farblosen, unglaublich jugendlichen Parteien wählen und ich versteh den Sinn dahinter einfach nicht.

Vinzent: Ja, ich werde wählen gehen und habe auch schon eine Ahnung, welcher Fraktion ich meine Stimme gebe, auch wenn ich mir noch nicht hundertprozentig sicher bin. Die Auswahl ist ja doch ein bisschen größer als bei einer herkömmlichen Wahl.

 

Wie gut informiert fühlst du dich über die ÖH bzw. die einzelnen Fraktionen?

Connie: Eigentlich fühle ich mich nicht wirklich ausreichend informiert. Also ich meine es liegen schon überall Flyer auf, das ist schon richtig, aber dadurch dass ich das Gefühl habe dass eh nichts passiert wenn ich wählen geh‘ will ich mich ehrlich gesagt von selbst nicht informieren. Ich denke auch was man zusätzlich noch machen könnte und was die Parteien nicht machen ist, zu Vorlesungen gehen und ihr Parteiprogramm vorstellen – weil es gibt genug private Organisationen die das schon machen – vielleicht dürfen sie das auch nicht, das weiß ich nicht. Alles in allem fühl ich mich nicht informiert genug um eine verantwortungsvolle Wahl zu treffen.

Vinzent: Zuerst zu den Fraktionen: Ich glaube zu wissen, wo im politischen Spektrum sie einzuordnen sind bzw. wofür sie grundsätzlich eintreten. Wenn man sich für die Wahl interessiert, gibt es wahrscheinlich genügend Möglichkeiten, sich darüber zu informieren, z.B. waren im Standard ja einige Artikel zu den ÖH-Wahlen zu lesen und im Internet präsentieren sich die Fraktionen sowieso. Allerdings hat mir ehrlich gesagt in den letzten Wochen das Interesse gefehlt, mich da genau zu erkundigen. Zur ÖH; da fühle ich mich mittelmäßig informiert. Ich weiß wofür sie da ist, aber ich würde gern mehr darüber erfahren, was sie in den letzten Jahren für die Studierenden erreicht hat. Davon habe ich zumindest eher wenig gehört.

 

Was hältst du von den Wahlversprechen der Fraktionen? Hättest du Ideen, was die Fraktionen besser machen könnten?

Connie: Realistische, einfach realistische Wahlen durchführen mit einer Anzahl von Parteien die überschaubar ist und nicht gefühlte hunderttausend linke Parteien die alle genau gleich sind. Realistische Wahlversprechen, weil so etwas wie ein Ticket um 100 Euro für alle Studenten – wenn das die Politiker nicht durchsetzen können, dann können das irgendwelche kleinen Uni-Fraktionen erst recht nicht. Ich verstehe warum die Wahlen alle zwei Jahre sind, weil sich die Studenten als Gruppe ja auch ändern, auf der anderen Seite, Wahlen alle zwei Jahre, wie viel kann man da eigentlich durchbringen? Ich glaube das System könnte man auch überdenken, wobei ich dazu jetzt konkret keinen Vorschlag hätte.

Vinzent: Bei manchen denke ich mir, dass sie zwar gut gemeint, aber realistisch gesehen nicht einzuhalten sind, etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen für Studierende. Da finde ich es besser, etwas unspektakulärere Ansagen zu machen, die dafür umsetzbar klingen. Wenn so etwas wie ein günstigeres Öffi-Ticket für Studierende, das gefühlsmäßig fast alle Fraktionen fordern, umgesetzt würde, wär das schon toll.

 

Vielen Dank euch beiden. 

 

 

Text: Kathi Müllner, Anja Drechsler

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