Im Gespräch mit der GRAS-Spitzenkandidatin Meryl Haas

Meryl Haas ist die Spitzenkandidatin der GRAS bei den ÖH-Wahlen 2015. Sie studierte zwei Jahre lang Biologie und Informatik in Kanada bevor sie 2009 nach Wien zog und dort ihren Biologie-Bachelor beendete. Mittlerweile studiert sie molekulare Medizin an der Universität Wien und ist im bildungspolitischen Referat der ÖH-Bundesvertretung tätig. Zuvor war sie auch in der STV vertreten. Wir trafen Meryl Haas in einem Cafè im 7. Wiener Gemeindebezirk und redeten mit ihr, unter anderem, über das GRAS-Wahlprogramm, die Junos und Ideologien.

Meryl Haas: „Die Mobilitätskosten sind der drittgrößte Kostenpunkt für österreichische Studierende.“

Mobilität ist ein besonders wichtiges Thema im diesjährigen Wahlprogramm der GRAS. Unter diesem Programmpunkt steht, unter anderem, die Forderung von leistbaren öffentlichen Verkehrsmitteln für Menschen in Ausbildung. Dafür entwickelten sie ein umfassendes Studi-Ticket-Modell auf Basis schon bestehender Tarife von Verkehrs- und Regionalverbünden, die durch das Modell vereinheitlicht werden sollen. Dies inkludiert auch ein Ticket für ganz Österreich um nur 300 Euro jährlich. „Das Semesterticket ist eh schon teuer genug“, meint Meryl Haas und gestikuliert dabei mit ihren Händen. Langfristiges Ziel der GRAS und der Grünen sei es, öffentliche Verkehrsmittel gratis bereitzustellen. Auch für FahrradfahrerInnen möchte sich die GRAS einsetzen. Ihre Forderungen dahingehend lauten: Mehr geschützte Radwege und Abstellplätze, bestenfalls überdacht und großflächig.

GRAS-Plakat: „Free the Lehrbücher“

Die Forderung nach kostenlosen Lehrbüchern und Skripten ist der nächste Programmpunkt auf der Agenda der GRAS. Hochschulbibliotheken würden oftmals viel zu wenige Exemplare besitzen, die für das Bestehen von Prüfungen oder für die Literaturrecherche von Seminararbeiten immanent seien. Vor allem kleine Hochschulen mit dementsprechend kleinen Bibliotheken wären davon betroffen. Daraus würde eine Ungleichbehandlung einzelner Hochschulen resultieren. Die GRAS fordert daher den Ausbau von eBooks durch Digitalisierung von Lehrbüchern, Skripten und Lernunterlagen, als auch den freien Zugang zu Forschungsergebnissen und Software. Dafür müsse das österreichische Urheber_innenrecht geändert werden, da es den Hochschulen bisher nicht erlaubt ist, digitale Kopien ganzer Bücher zu erstellen. Reaktionen seitens der Fakultas, der ProfessorInnen oder anderen, die an den Lernunterlagen bisher verdienen, gab es laut Meryl Haas noch nicht.

Meryl Haas: „Das sind nur vorgeschobene Gründe, Frauen weiterhin zu diskriminieren!“

Eine tatsächliche Gleichberechtigung kann die GRAS auf österreichischen Hochschulen noch nicht feststellen. Dabei sind mittlerweile ganze 54% der Studierenden, aber nur rund ein Viertel der ProfessorInnen, weiblich. Grund dafür wäre nicht der Mangel an qualifizierten oder motivierten Frauen, sondern die offenkundige Diskriminierung von Frauen in der Wissenschaft und in Führungspositionen. Daher sei die Festschreibung eines Frauenanteils von mindestens 50% im Hochschulpersonal bis 2025 das Ziel. Die Kritik, eine Frauenquote würde dazu führen, dass Frauen trotz schlechterer Qualifikationen den Job bekommen könnten, lehnt die Spitzenkandidatin Meryl Haas konsequent ab. Solche Argumente würden lediglich als Ausrede dienen, um Frauen weiterhin zu diskriminieren.

 

Meryl Haas

(c) GRAS/ Christopher Glanzl

Meryl Haas: „Studierende auf Privatunis und Fachhochschulen haben kaum bis gar keine rechtliche Absicherung!“

In Österreich ist das Studienrecht in vier verschiedene Hochschulsektoren (FH, PH, PU und Uni) mit jeweilig eigener Gesetzesgrundlage unterteilt. Je nach Hochschulsektor existieren also unterschiedliche Bestimmungen über Aufnahmeverfahren, die Beurteilung und das Wiederholen von Prüfungen uvm. Dies führe unweigerlich zu einer Ungleichbehandlung unter den Studierenden. Während StudentInnen auf öffentlichen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen eine relativ gute rechtliche Absicherung genießen würden, treffe das auf Fachhochschulen und Privatuniversitäten kaum zu. Die GRAS fordert daher einen einheitlichen Hochschulsektor bei dem das „Studienrecht für alle gleich gilt“.

Junos: „Echt Hochschulpolitik ohne ideologische Grabenkämpfe“

Als das Gespräch auf die Junos und ihren „Schlachtruf“ gelenkt wird, scheint Meryl Haas nicht unbedingt erfreut darüber zu sein. Sie empfindet es als durchaus wichtig, dass sich die ÖH auch mit Thematiken außerhalb der expliziten Hochschulpolitik auseinandersetzt. Schließlich sind die Studierenden ein Teil der Gesellschaft, weshalb gesellschaftliche Probleme auch immer Probleme der Hochschulen seien. Gewisse ideologische Grundzüge bei ihr und der Fraktion will sie auch gar nicht verneinen. Dass die linke ÖH oftmals dafür kritisiert wird, linke Demonstration und somit implizit Linksradikalismus zu fördern, kann sie nicht nachvollziehen. „Auch wir haben das Recht zu demonstrieren“, gibt sie zu verstehen.

Meryl Haas„Da kann ich mich auch gleich in einen Raum voller Clowns setzen!“

Dieses Zitat war die Antwort auf die Frage, ob man sich in irgendeiner Weise eine Zusammenarbeit mit der LISTE vorstellen kann. Generell kann sie den Ableger der Satire-Partei die PARTEI nur in gewissem Maße mit Humor sehen. Schließlich mache sich die LISTE über die ÖH selbst und vor allem auch über die ÖH-Wahl lächerlich. Aber „sie haben natürlich das Recht anzutreten“, argumentiert Haas ganz im Sinne der Demokratie. Auch mit dem RFS schließt sie jegliche Zusammenarbeit aus. Außerdem gebe es mit der AG und den JUNOS einige Diskrepanzen, da die beiden Fraktionen Studiengebühren in unterschiedlichen Formen bejahen würden. „Wir lehnen Studiengebühren komplett hab“, erklärt Haas, „Solange sie daran festhalten, wird es keine Zusammenarbeit geben.“

„Davon lass ich mich nicht demotivieren.“

Ganze 50 bis 60 Arbeitsstunden wöchentlich steckt die GRAS-Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Mit dem Studium sei das momentan nicht vereinbar. „Aber das war mir auch von Anfang an klar“, ergänzt die Medizin-Studentin. Die Wahlkampfvorbereitungen fingen bei der GRAS vor ungefähr neun Monaten an und wurden seitdem sukzessiv erhöht. So kurz vor der Wahl springe sie nur noch von einem Interviewtermin zum nächsten. In der geringen Wahlbeteiligung der ÖH-Wahlen in den letzten Jahren sieht sie ein generelles gesellschaftliches Problem. Die Leute würden sich immer weniger für Politik interessieren und seltener wählen gehen. Aber demotivieren lassen will sie sich davon nicht. Ihre letzten Worte, die sie an die LeserInnen richten möchte, fallen deutlich aus: „Geht wählen!“

 

Text: Veronica Seger

Fotos: (c) GRAS/ Christopher Glanzl

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